Ein Großbrand in einer Gewerbehalle in Kriftel hat am Dienstag einen der größten Feuerwehreinsätze der vergangenen Jahre im Main-Taunus-Kreis ausgelöst. Feuerwehren aus dem gesamten Kreisgebiet sowie Kräfte des Rettungsdienstes, der Polizei, des Technischen Hilfswerks (THW), einer Werkfeuerwehr und weiterer Organisationen waren über mehr als 24 Stunden im Einsatz. Zeitweise arbeiteten über 160 Einsatzkräfte gleichzeitig an der Einsatzstelle. Insgesamt waren im Verlauf des Einsatzes deutlich mehr Einsatzkräfte beteiligt.
Die Freiwillige Feuerwehr Kriftel wurde um 08:47 Uhr zunächst zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage in die Gutenbergstraße alarmiert. Bereits beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte war eine massive Rauchentwicklung sichtbar. Aufgrund der Lage wurde das Einsatzstichwort mehrfach erhöht und schließlich auf „F 4 – Brand als Großschadenslage“ angehoben – ein Alarmstichwort, das im Einsatzgeschehen des Main-Taunus-Kreises nur äußerst selten zur Anwendung kommt. In der Folge wurden zahlreiche weitere Feuerwehren sowie Spezialkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus nachalarmiert.
Umfangreiche Löscharbeiten mit Spezialtechnik
Das Feuer war in einer Gewerbehalle, in der mehrere Firmen ansässig sind, ausgebrochen und breitete sich rasch aus. In der Lagerhalle des Einrichtungshauses befanden sich große Mengen leicht brennbarer Materialien. Dichter Rauch, starke Hitze und die schwierige Zugänglichkeit des Brandherdes erschwerten den Einsatz erheblich. Um versteckte Glutnester erreichen zu können, mussten Teile der Dachkonstruktion geöffnet werden. Im weiteren Einsatzverlauf wurde die Fassade mithilfe eines Bergeräumgerätes geöffnet, bevor das eingestürzte Hochregallager schließlich über Drehleitern mit Schaum geflutet werden konnte.
In mehreren Löschabschnitten kamen zahlreiche Sonderkomponenten der Feuerwehren und weiterer Organisationen zum Einsatz. Hierzu zählten unter anderem Drehleitern, Löschlanzen, Einsatzstellenbeleuchtung sowie Drohnen zur Erkundung aus der Luft. Mithilfe von Wärmebildkameras und Wärmebildaufnahmen der Drohnen konnten verbliebene Glutnester gezielt lokalisiert und bekämpft werden.
Die umfangreichen Löscharbeiten wurden darüber hinaus durch mehrere Spezialfahrzeuge unterstützt. Zum Einsatz kamen ein Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) der Feuerwehr Frankfurt, ein Teleskopmast der Werkfeuerwehr Infraserv Höchst sowie ein Bergeräumgerät des THW Ortsverbandes Groß-Gerau.
Das Löschunterstützungsfahrzeug ist ein ferngesteuertes Kettenfahrzeug, das unter anderem mit einem Hochleistungslüfter ausgestattet ist. Der Teleskopmast ermöglichte die Brandbekämpfung und Erkundung aus großer Höhe. Das Bergeräumgerät des THW wurde eingesetzt, um Gebäudeteile und Brandgut zu bewegen, die Fassade zu öffnen und versteckte Glutnester für die Nachlöscharbeiten freizulegen.
Warnung der Bevölkerung
Durch die starke Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Gleichzeitig kam es im Bereich der Gutenbergstraße, Hattersheimer Straße und Bachstraße zu umfangreichen Straßensperrungen.
Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Einsatzleitung nicht. Personen wurden bei dem Brand nicht verletzt. Die vorsorglich herausgegebene Warnung konnte gegen 22 Uhr wieder aufgehoben werden.
Nachlöscharbeiten bis Mittwochvormittag
Obwohl das Feuer bereits am Dienstagabend weitgehend eingegrenzt werden konnte, dauerten die Nachlöscharbeiten bis in die Nacht und den Mittwochvormittag an. Unter der Dachhaut kam es immer wieder zu Rauchentwicklungen, sodass weitere Bereiche geöffnet und verbliebene Glutnester gezielt abgelöscht werden mussten.
Während ein Großteil der eingesetzten Kräfte im Laufe des Abends und der Nacht aus dem Einsatz herausgelöst werden konnte, verblieben Einsatzkräfte als Brandwache an der Einsatzstelle. Sie überwachten das Gebäude über Nacht und löschten erneut aufflammende Glutnester ab.
Nach einer abschließenden Kontrolle der Einsatzstelle mittels Wärmebildkamera wurde die Lagerhalle am Mittwochmittag an die Polizei und den Eigentümer übergeben. Damit endete nach mehr als 24 Stunden einer der größten Feuerwehreinsätze der vergangenen Jahre im Main-Taunus-Kreis.
Ausbreitung erfolgreich verhindert
Trotz der erheblichen Brandausbreitung gelang es den Einsatzkräften, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude des Gewerbezentrums zu verhindern. Dadurch konnte ein noch größerer Schaden vermieden werden. Der entstandene Sachschaden wird nach ersten Schätzungen auf mehrere Millionen Euro beziffert. Die Brandursache ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde bei dem Brand niemand verletzt. Die Einkaufsmärkte bleiben zunächst bis auf weiteres geschlossen.
Kreisweite Zusammenarbeit bewährt sich erneut
Der Einsatz verdeutlichte erneut die hohe Leistungsfähigkeit und die enge Zusammenarbeit der Feuerwehren im Main-Taunus-Kreis sowie der beteiligten Hilfsorganisationen. Gerade bei einer Großschadenslage dieses Ausmaßes zeigt sich der hohe Wert der kreisweiten Zusammenarbeit, der vorhandenen Spezialkomponenten und der überörtlichen Unterstützung. Durch das schnelle und koordinierte Zusammenwirken der zahlreichen Kräfte konnte eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindert und das Feuer schließlich unter Kontrolle gebracht werden.
Der Kreisfeuerwehrverband Main-Taunus bedankt sich bei allen eingesetzten Feuerwehren, den Kräften des Rettungsdienstes, der Polizei, des Technischen Hilfswerks, den beteiligten Werkfeuerwehren, der Zentralen Leitstelle Main-Taunus sowie allen weiteren beteiligten Organisationen für die hervorragende Zusammenarbeit. Ebenso gilt der Dank den Anwohnerinnen und Anwohnern für ihr Verständnis während der umfangreichen Sperr- und Einsatzmaßnahmen.
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